
(Herkunft
unbekannt)
Ihr glaubt der Jäger sei ein Sünder, weil selten er
zur Kirche geht.

Mondnacht
Es war als hätt der
Himmel, die Erde still geküsst,
Das sie im
Blütenschimmer, von ihm nun träumen müsst.
Die Luft ging durch die
Felder, die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die
Wälder, so sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte,
weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen
Lande, als flöge sie nach Haus.
Josef von Eichendorff





Der
Rehbock
Bei
einem Rittergutsbesitzer war, stets zum Besuch die Jägerschar.
Auf
seinem Gut war Wild in Menge, oft hörte man des Waldhorns Klänge,
das
Herrenhaus war niemals leer, den Jägern es gefiel dort sehr.
Dem
Herrn wurd` schließlich dies zur Bürde. Wie los er die Gesellschaft würde,
War
bald sein sinnen Tag und Nacht, und endlich hat er´s auch gemacht.
Beim
Frühstück alle Jäger saßen, und tüchtig tranken, sehr gut aßen,
Als
meldete der Hofmann laut:„Am Wald in dem Kartoffelkraut ein großer,
schöner Rehbock steht,Soeben hab´ ich ihn
erspäht.“
Die
Jäger auf vom Frühstück sprangen, um schnell den Rehbock abzufangen.
Im
nu war alles aus dem Haus, zwei Jäger waren bald voraus.
Sie
pirschten, bald ein Schuss auch fiel, doch schlecht getroffen war das Ziel.
Der
zweite Schuss es besser machte, der feiste Bock zur Strecke brachte.
Mit
Weidmannsheil, Triumphgeschrei, zum Bocke lief die Jägerei,
Doch
da war statt der Freude Zorn, man stieß nicht in das Jägerhorn
Und
schimpfte: das gibt Stoff zu Glossen, denn nur ein Schafbock war geschossen,
Ein
Rehfell war ihm umgebunden, ein braunes Band ums Horn gewunden.
Der
Jäger Ärger war sehr groß, der Gutsherr war die Gäste los.
Heinrich
Toball

Winternacht
Verschneit
liegt rings die ganze Welt, ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen
steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet.
Der
Wind nur geht bei stiller Nacht, und rüttelt an dem Baume,
Da
rührt er seinen Wipfel sacht, und redet wie im Traume.
Er
träumt von künft`ger Frühlingszeit, von Grün und Quellenrauschen,
Wo
er im neuen Blütenkleid, zu Gottes Lob wird rauschen.
Joseph
von Eichendorff

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freuen und zu lachen,
und wenn Du sie nützt kannst Du was daraus machen.
Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für Dich selbst, sondern auch zum Verschenken,
Ich wünsche Dir Zeit, nicht Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufrieden sein können.
Ich wünsche Dir Zeit, nicht so zum Vertreiben,
Ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertrauen,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schauen.
Ich wünsche Dir Zeit nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt zu reifen,
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, neu zu lieben,
es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche Dir Zeit, zu Dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben,
Ich wünsche Dir: Zeit haben zu leben.

Seelenverwandtschaft
bezeichnet man eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich dadurch
auszeichnet, dass beide Personen ähnlich empfinden und denken.
Im Phaidros Platons wird die Ursache dieses
Empfindens beschrieben und eine Quelle für die Empfindung der Liebe und
Freundschaft dargestellt. In diesem Mythos erzählt Platon, wie die Seele ihre
Federn verliert und dabei auf die Erde stürzt. In den Körpern eingeschlossen
haben sie keine Ahnung mehr von ihrem früheren Leben und existieren ohne
Erinnerung - bis sie in die Augen eines Anderen blicken bzw. das Schöne
erblicken:
Durchwärmt nämlich wird
der Liebende, indem er durch die Augen den Zufluss der Schönheit aufnimmt,
durch welchen seine gefiederte Seele gleichsam begossen wird. Ist er nun
durchwärmt, so schmilzt um die Keime des Gefieders hinweg, was schon seit
langem sie verschloss und sie hinderte hervorzutreiben. Denn dass er wie in
einem Spiegel in dem Liebenden sich selber beschaut weiß er nicht und wenn
jener nun gegenwärtig ist, so hat auch er gleichsam jene Befreiung von den
unerträglichen Schmerzen.(Platon, Phaidros)
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